Freitag, 3. März 2017

Vernetzungsprojekt Heilbronn: Digitale Praxis umfasst auch Medikamentenplan




MEDI-Verbund, Kassen und Berufsverbände knüpften in der Region Heilbronn ein elektronisches Praxisnetz, dessen 60 beteiligte Praxen die Vision von der digitalen Medizin Wirklichkeit werden lassen sollen. Die ersten ­beiden Stufen des Projekts – Da­ten­­austausch und elektronischer ­Medikamentenplan – sind jetzt bewältigt.

109 Ärzte und Psychotherapeuten sowie 10.210 Patienten der AOK Baden-Württemberg und der BKK Audi nehmen am elektronischen Vernetzungsprojekt der Region Heilbronn teil. Aus berufspolitischer Sicht handelt es sich um ein Leuchtturmprojekt in der Entwicklung einer eHealth-Struktur.

14 Urologen nehmen am Vernetzungsprojekt teil

Foto: Der BDU-Landesvorsitzende Dr. Markus Knoll informiert über die digitale Praxis.

Als technische Lösung setzen die Projektbetreiber nach An­gaben des BDU die Vernetzungssoftware ViViAN („Virtuelle Vernetzung im Arztnetz“) der Firma MicroNova ein. Unter den 109 teilnehmenden Ärz­ten befinden sich nach BDU-Angaben 14 Urologen. Den teilnehmenden Ärzten entstehen für die Nutzung der Vernetzungssoftware keine Kosten, weil das Projekt durch die beteiligten Krankenkassen finanziert wird, so der BDU. Der württembergische BDU-Landesvorsitzende Dr. Marcus Ksoll beschreibt den erfolgten Auftakt des Projekts: „In Stufe 1 des Vernetzungsprojekts wurden Behandlungsdaten über gemeinsam behandelte Patienten analog zum Arztbrief zwischen den vernetzten Praxen ausgetauscht.“Sobald der Patient die Einwilligungserklärung unterschrieben hat, werden nach Informationen Ksolls folgende Daten des aktuellen Quartals und des Vorquartals zum „Abruf“ bereitgestellt:

  1. aktuelle Diagnosen / Dauerdiagnosen (alle nach ICD10 codiert),
  2. als Freitextfeld: Therapieempfehlungen, weiteres Vorgehen sowie weitere Diagnostik,
  3. Arzneimittelverordnungen,
  4. Übersicht der Verordnungen im Netzmedikamentenplan,
  5. Laborwerte (aus den vergangenen 14 Tagen),
  6. Informationen zu Allergien,
  7. AU-Informationen mit ICD10-Diagnose (geplant),
  8. Impfungen (geplant).


„In der 2. Stufe des Vernetzungsprojekts wurde ein Netzmedikamentenplan ergänzt. Er führt automatisch alle Medikamente eines Patienten, die durch die vernetzten Praxen verordnet wurden, in einer Übersicht zusammen. Das bezieht sich auf Wirkstoff, Handelsname und Informationen zum Einnahmeschema sowie zum Therapiezeitraum“, so Ksoll. Die Änderungshistorie jeder Verordnung werde trans­parent.

Doppeluntersuchungen sollen bald Vergangenheit sein

Befunde und vorherige Behandlungsdaten könnten nach Darstellung Ksolls ohne zeitliche Verzögerung genutzt werden. Doppeluntersuchungen und resultierende Folgetermine könnten vermieden werden. Ganz wichtig sei, dass Netzmedikamentenplan und Interaktionsprüfung Arznei­mittel­unverträglichkeiten oder auch Allergien vermeiden könnten, so Ksoll. Außerdem werde die papierlose Praxis Realität, weil das Ausdrucken, Einscannen und Versenden von Arztbriefen oder Befundberichten nicht mehr notwendig seien. Diagnosen und sonstige Befunde können per Klick in die eigene Praxissoftware an der richtigen Stelle übernommen werden, wie Ksoll erläutert: „Alle Informationen stehen auf der Karteikarte in der vorhandenen Praxissoftware bereit. Die Umstellung der Praxissoftware ist ohne Aufwand möglich, weil ViViAN unabhängig von der eingesetzten Praxissoftware funktioniert.“

Eine Zwischen-Auswertung der Traffic-Daten von 47 Praxen zeigte, dass 2.157 Datensätze mit insgesamt 15.682 Einträgen übertragen wurden. In Heilbronn hat die Welt der digitalen Medizin begonnen.      (Autor: Franz-Günter Runkel)

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