Das Urologie-Hauptkapitel in der
novellierten Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer wird eine
modulare Struktur ohne feste Zeitbindung und mit geringeren
Mindestoperationszahlen haben. Zu den Modulen des Hauptkapitels sollen unter
anderem Andrologie, Kinderurologie, Rehabilitation sowie Urologische Geriatrie
zählen. Medikamentöse Tumortherapie, Spezielle urologische Chirurgie,
Kinderurologie sowie Spezielle Andrologie sollen nach dem Willen der
Bundesärztekammer Zusatzweiterbildungen werden. DGU-Vizepräsident Prof. Oliver Hakenberg kommentiert den aktuellen Stand der
Novelle.
Hakenberg:
Die Vorgaben der Bundesärztekammer für die Novellierung der
Musterweiterbildungsordnung sehen eine modulare Struktur vor, in der
Abschnitte bzw. Module ohne ganz feste Zeitbindung absolviert werden können.
Dazu wird angestrebt, in den operativen Fächern mit starker
Niederlassungstendenz die erforderlichen Mindestoperationszahlen zu
reduzieren. Eine weitere Vorgabe der Bundesärztekammer ist, dass zukünftig
jeweils ein Jahr eines beliebigen anderen Fachs auf die Weiterbildung
angerechnet werden kann. Dies bedeutet, dass die Mindestzahlen zur Not auch in
vier Jahren geleistet werden können.
Welche
Unterkapitel werden ins Hauptkapitel Urologie integriert?
Hakenberg:
Nach dem Vorschlag von DGU und BDU werden alle relevanten Unterkapitel als
Module integriert, also Andrologie, Kinderurologie, Rehabilitation,
Urologische Geriatrie, usw. Für diese Bereiche sind die Grundlagen und
grundlegenden Techniken im Katalog enthalten. Auch alle für die Niederlassung
relevanten Inhalte wie mikrobiologische Techniken, Urinzytologie, Labor,
Röntgen, Ultraschall, usw. werden nach unseren Vorstellungen enthalten sein.
Welche Unterkapitel werden wahrscheinlich
Zusatzweiterbildungen bleiben bzw. werden?
Hakenberg:
Als Zusatzweiterbildung wird die Bundesärztekammer die „Medikamentöse
Tumortherapie“ ansehen. Wir haben die relevanten Inhalte daher in den Facharzt
integriert. Neu beantragt ist von uns die Wiedereinführung der
Zusatzweiterbildung „Spezielle urologische Chirurgie“, auch um der Tatsache
Rechnung zu tragen, dass der Facharzt im Vergleich zur bisherigen Regelung deutlich
weniger Operationserfahrung fordern wird. Neu beantragt ist eine
Zusatzweiterbildung „Kinderurologie“, erwerbbar für Urologen und
Kinderchirurgen, ein Vorschlag der DGU und der Deutschen Gesellschaft für
Kinderchirurgie. Andrologie wird als Zusatzweiterbildung „Spezielle
Andrologie“ bestehen bleiben.
Wie sieht das aktuelle Modell einer
Weiterbildung an mehreren klinischen Standorten bzw. ambulanten
Weiterbildungsstandorten aus?
Hakenberg:
Das Konzept einer „Verbundweiterbildung“ wird durchaus möglich sein, hängt aber
von der Weiterbildungsermächtigung aller Beteiligten ab. Weiterbildung an
mehreren Stellen ist ja auch jetzt schon ohne weiteres möglich, in Hamburg,
Berlin und München wäre es auch umsetzbar, aber das passiert nicht wirklich. Ein
Grund ist sicherlich auch eine zu geringe Flexibilität aller Beteiligten,
auch der Assistenten. Verbundweiterbildung ist überhaupt keine neue Erfindung.
Sie ist schon jetzt möglich und nur eine Frage des Wollens.
Wie sieht der Fahrplan der Bundesärztekammer
für die Verabschiedung aus?
Hakenberg:
Der zeitliche Fahrplan ist – wie üblich
bei solchen Werken, die die Kommentierung und Konsentierung vieler
Institutionen erfordern –, extrem dehnbar. Es ist vorgesehen, einen ersten
Entwurf auf dem nächsten Deutschen Ärztetag vorzustellen. Die
Zusatzweiterbildungen kommen ohnehin erst danach in die Beratung. Im Übrigen
wird alles abschließend vom Deutschen Ärztetag beschlossen.
Dieser setzt sich
mehrheitlich aus Hausärzten und Internisten zusammen, die dann beschließen, was
die Urologen in ihrer Weiterbildungsordnung stehen haben. Danach werden dann
die Landesärztekammern jeweils für sich eine gültige Weiterbildungsordnung
beschließen, denn die Version der Bundesärztekammer ist ja nur eine
„Musterweiterbildungsordnung“. Da kommt dann noch einmal die föderale Freiheit
zum Zuge, mit möglichen regionalen Sonderwegen.
Wird sich das reduzierte operative Programm
der modularen Novelle negativ auf die interdisziplinäre Wettbewerbsfähigkeit
der Urologie auswirken?
Hakenberg: Die Bundesärztekammer hat die
Vorgabe gemacht, dass die operativen Weiterbildungsinhalte für alle Fächer
„entschlackt“ und reduziert werden sollen. Für die Urologie ergeben sich nach
unserer Ansicht keine Auswirkungen auf die „interdisziplinäre Wettbewerbsfähigkeit“
– wie auch? Urologische Operationen werden nach wie vor nur von Urologen
fachgerecht erbracht werden können, da die operativen Inhalte sich ja nicht mit
anderen Fächern überschneiden.
Wie zufrieden sind Andrologen und
Kinderurologen mit dem Entwurf der Novelle?
Hakenberg: Alle Vorlagen sind abgestimmt,
sowohl mit der Deutschen Gesellschaft für Andrologie wie auch mit der Deutschen
Gesellschaft für Kinderchirurgie und dem Arbeitskreis Kinderurologie der DGU.
Über 90 % der „Andrologen“ in Deutschland sind Urologen, also gibt es kein
relevantes Konfliktpotenzial.
Bietet diese Novelle genügend Substanz, um
Unabhängigkeit und Relevanz der Urologie in der kommenden Dekade zu sichern?
Hakenberg: Ich denke, sie bietet erheblich
Substanz, mehr als bislang und wird die Urologie gut aufstellen – wenn die
Novellierung so wird, wie wir es eingereicht haben. Wenn man durch den
Deutschen Ärztetag viel herausgeschnitten bekommt, kann das anders sein. fgr
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