Mittwoch, 12. Oktober 2016

AUA 2016 präsentierte Neuentwicklungen in der Uroonkologie



Studien zu allen urologischen Tumorentitäten bildeten Schwerpunkte der Jahrestagung der American Association of Urology (AUA) in San Diego. Einer der weltgrößten urologischen Kongresse bot wieder zahlreiche Neuigkeiten.

Gängige Methoden zur Feststellung und Überwachung von Blasenkarzi­nomen sind sehr invasiv und haben eine geringe Sensitivität. Daher zielen aktuelle Studien auf die Validierung neuer Tests auf der Basis von Genexpres­sionsmustern, die nicht invasiv und untersucherunabhängig sind. Lourdes Mengual aus Barcelona referierte über eine internationale Studie, die an 594 Patienten einen Urintest erprobte, der auf der Basis von vier Genprofilen eine hohe Testpräzi­sion erreichen konnte. Die besten Genkombinationen erbrachten laut Mengual eine Sensitivität zwischen 79 und 82 % sowie eine Spezifität über 91 %. Dies bedeute gleiche oder bessere Leistungen im Vergleich zum Standard.

Der Schwede Andreas Thorstenson analysierte das schwedische Harnblasenkarzinomregister auf geschlechtsspezifische Unterschiede. Insgesamt 30.310 Patienten wurden ausgewertet, ein Viertel davon waren Frauen. Überraschend war, dass Blasenkarzinome bei Frauen mit höheren Tumorstadien assoziiert waren als bei Männern. Die Frauen hatten außerdem ein geringeres krebsspezifisches und relatives Überleben. Trotz einer höheren Rate an aggressiven Tumoren erhielten Frauen also seltener die optimale Behandlung.

Prostata-Ca und PSMA-PET: klinischer Wert fraglich

Der Australier Declan Murphy stellte in San Diego erste Erfahrungen mit der robotischen Salvage-Lymphknoten-Entfernung mittels 68Ga-PSMA PET-CT vor. Allerdings waren die Ergebnisse trotz vielversprechender Berichte nicht überzeugend: Ein negatives 68 Ga-PSMA-PET7CT erlaubt keinesfalls einen Verzicht auf die Lymphadenektomie.

Ob die präoperative Evaluation mit dem 68 Ga-PSMA-PET/CT einen Effekt für das Lymphknotenstaging hat, untersuchte ein Team um Pim van Leeuwen aus Sydney. Für Patienten mit intermediärem Hochrisiko-Prostatakarzinom hat das PSMA-PET eine hohe Spezifität sowie eine moderate Sensitivität für Lymphknotenmetastasen. Allerdings könne man auf keinen Fall auf die Lymphadenektomie zum Staging kleiner Lymphknoten verzichten, betonte van Leeuwen.

Mazen Alsinnawi aus Seattle und sein Team untersuchten die Chancen, für Hochrisiko-Patienten die Lebensqualität durch multimodale Therapiekonzepte mit radikaler Prostatektomie oder der Kombination aus externer Radiatio und Androgen-Deprivationstherapie zu verbessern. Durch beide Konzepte wurde die Lebensqualität in vergleichbarer Weise reduziert, ohne dass die eine oder andere Behandlung einen Vorteil zeigte, so Alsinnawi.

Vorteil der frühzeitigen radikalen Prostatektomie

Ashwin Mallya und Kollegen aus In­dien untersuchten die Frage, ob der Zeitpunkt der radikalen Prostatektomie direkt nach der Krebsdiagnose oder später nach einer Phase der aktiven Überwachung und folgender Progression einen Einfluss auf das onkologische Ergebnis hat. Dabei ergaben sich signifikante Unterschiede in der Zeit bis zum biochemischen Rezidiv, und zwar zu Ungunsten der verzögerten Gruppe. Wer unter aktiver Überwachung progredient und dann operiert wurde, hatte am Ende das schlechteste biochemische rezidivfreie Überleben. Biochemische Rezidive traten in der Gruppe mit verzögerter Operation am häufigsten auf. Es erscheint möglich, dass auch das rezidivfreie Überleben in dieser Gruppe am Ende kürzer war.

Ähnliche Ergebnisse stellte Ardalan E. Ahmad aus Toronto vor. Das Team untersuchte, ob sich die Verzögerung definitiver Therapien aufgrund einer aktiven Überwachung auf das onkologische Ergebnis auswirkt. Die Unterschiede im biochemischen rezidiv­freien Überleben zeigten ebenfalls signifikant bessere Ergebnisse für die sofortige radikale Prostatektomie im Vergleich zur verzögerten Operation. Allerdings liegen noch keine Überlebensdaten vor und es handelt sich nur um retrospektive Daten.

Therapiefehler verblüffend häufig bei Hodentumoren

Die Frage nach der Vermeidbarkeit von Therapiefehlern beschäftigte den Urologen Kevin Wymer aus USA. 273 Pa­tienten mit Hodentumoren wurden in die Studie aufgenommen. Trotz Standardisierung passierten in 20 % der Fälle immer noch regelhafte Fehler in der Therapie von Hodentumoren. Überbehandlung und Fehldiagnosen zählen zu den häufigsten Fehlern. Aber auch falsches Therapiemanagement und Untertherapie treten auf.

Der britische Urologe Luke McGuiness befasste sich in San Diego mit dem Peniskarzinom in situ, das eine Präkanzerose mit 30 % Progressionsrisiko darstellt. Die EAU-Leitlinie empfiehlt für dieses seltene Karzinom eine lokale Therapie mit CO2-Laser. Allerdings entwickelt mehr als ein Drittel dieser Patienten gefährliche CIS-Rezidive, die in einigen Fällen sogar eine finale Pen­ektomie bedeuten. Daher ist eine sorgfältige Nachsorge nach CO2-Laser-Therapie aus Sicht des Autors unbedingt notwendig. 
(Autor: Franz-Günter Runkel/12.10.2016)

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