Studien zu allen
urologischen Tumorentitäten bildeten Schwerpunkte der Jahrestagung der American
Association of Urology (AUA) in San Diego. Einer der weltgrößten urologischen
Kongresse bot wieder zahlreiche Neuigkeiten.
Gängige Methoden zur Feststellung und Überwachung von
Blasenkarzinomen sind sehr invasiv und haben eine geringe Sensitivität. Daher
zielen aktuelle Studien auf die Validierung neuer Tests auf der Basis von
Genexpressionsmustern, die nicht invasiv und untersucherunabhängig sind.
Lourdes Mengual aus Barcelona referierte über eine internationale Studie, die
an 594 Patienten einen Urintest erprobte, der auf der Basis von vier
Genprofilen eine hohe Testpräzision erreichen konnte. Die besten
Genkombinationen erbrachten laut Mengual eine Sensitivität zwischen 79 und 82 %
sowie eine Spezifität über 91 %. Dies bedeute gleiche oder bessere Leistungen
im Vergleich zum Standard.
Der Schwede Andreas
Thorstenson analysierte das schwedische Harnblasenkarzinomregister auf
geschlechtsspezifische Unterschiede. Insgesamt 30.310 Patienten wurden
ausgewertet, ein Viertel davon waren Frauen. Überraschend war, dass
Blasenkarzinome bei Frauen mit höheren Tumorstadien assoziiert waren als bei
Männern. Die Frauen hatten außerdem ein geringeres krebsspezifisches und
relatives Überleben. Trotz einer höheren Rate an aggressiven Tumoren erhielten
Frauen also seltener die optimale Behandlung.
Prostata-Ca und PSMA-PET: klinischer Wert fraglich
Der Australier Declan
Murphy stellte in San Diego erste Erfahrungen mit der robotischen
Salvage-Lymphknoten-Entfernung mittels 68Ga-PSMA PET-CT vor. Allerdings waren
die Ergebnisse trotz vielversprechender Berichte nicht überzeugend: Ein
negatives 68 Ga-PSMA-PET7CT erlaubt keinesfalls einen Verzicht auf die
Lymphadenektomie.
Ob die präoperative Evaluation mit dem 68 Ga-PSMA-PET/CT
einen Effekt für das Lymphknotenstaging hat, untersuchte ein Team um Pim van
Leeuwen aus Sydney. Für Patienten mit intermediärem Hochrisiko-Prostatakarzinom
hat das PSMA-PET eine hohe Spezifität sowie eine moderate Sensitivität für
Lymphknotenmetastasen. Allerdings könne man auf keinen Fall auf die
Lymphadenektomie zum Staging kleiner Lymphknoten verzichten, betonte van
Leeuwen.
Mazen Alsinnawi aus Seattle und sein Team untersuchten die
Chancen, für Hochrisiko-Patienten die Lebensqualität durch multimodale
Therapiekonzepte mit radikaler Prostatektomie oder der Kombination aus externer
Radiatio und Androgen-Deprivationstherapie zu verbessern. Durch beide Konzepte
wurde die Lebensqualität in vergleichbarer Weise reduziert, ohne dass die eine
oder andere Behandlung einen Vorteil zeigte, so Alsinnawi.
Vorteil der frühzeitigen radikalen Prostatektomie
Ashwin Mallya und
Kollegen aus Indien untersuchten die Frage, ob der Zeitpunkt der radikalen
Prostatektomie direkt nach der Krebsdiagnose oder später nach einer Phase der
aktiven Überwachung und folgender Progression einen Einfluss auf das
onkologische Ergebnis hat. Dabei ergaben sich signifikante Unterschiede in der
Zeit bis zum biochemischen Rezidiv, und zwar zu Ungunsten der verzögerten
Gruppe. Wer unter aktiver Überwachung progredient und dann operiert wurde,
hatte am Ende das schlechteste biochemische rezidivfreie Überleben.
Biochemische Rezidive traten in der Gruppe mit verzögerter Operation am
häufigsten auf. Es erscheint möglich, dass auch das rezidivfreie Überleben in
dieser Gruppe am Ende kürzer war.
Ähnliche Ergebnisse stellte
Ardalan E. Ahmad aus Toronto vor. Das Team untersuchte, ob sich die Verzögerung
definitiver Therapien aufgrund einer aktiven Überwachung auf das onkologische
Ergebnis auswirkt. Die Unterschiede im biochemischen rezidivfreien Überleben
zeigten ebenfalls signifikant bessere Ergebnisse für die sofortige radikale
Prostatektomie im Vergleich zur verzögerten Operation. Allerdings liegen noch
keine Überlebensdaten vor und es handelt sich nur um retrospektive Daten.
Therapiefehler verblüffend häufig bei Hodentumoren
Die Frage nach der Vermeidbarkeit von Therapiefehlern
beschäftigte den Urologen Kevin Wymer aus USA. 273 Patienten mit Hodentumoren
wurden in die Studie aufgenommen. Trotz Standardisierung passierten in 20 % der
Fälle immer noch regelhafte Fehler in der Therapie von Hodentumoren.
Überbehandlung und Fehldiagnosen zählen zu den häufigsten Fehlern. Aber auch
falsches Therapiemanagement und Untertherapie treten auf.
Der britische Urologe Luke McGuiness befasste sich in San
Diego mit dem Peniskarzinom in situ, das eine Präkanzerose mit 30 %
Progressionsrisiko darstellt. Die EAU-Leitlinie empfiehlt für dieses seltene
Karzinom eine lokale Therapie mit CO2-Laser. Allerdings entwickelt mehr als ein
Drittel dieser Patienten gefährliche CIS-Rezidive, die in einigen Fällen sogar
eine finale Penektomie bedeuten. Daher ist eine sorgfältige Nachsorge nach CO2-Laser-Therapie aus
Sicht des Autors unbedingt notwendig.
(Autor: Franz-Günter Runkel/12.10.2016)
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