Dienstag, 4. Oktober 2016

Prefere-Studie nach Rekrutierungs-Desaster gescheitert - immenser Schaden für die deutsche Urologie


Im Bild: Die Prefere-Studienleiter Thomas Wiegel und Michael Stöckle (v.l.) sowie Krebshilfe-Chef Gert Nettekoven (r.); Foto: Runkel)
 


Die Prefere-Studie ist gescheitert. Nachdem im September 2016 nicht die vom Hauptsponsor Deutsche Krebshilfe geforderten 500 Patienten randomisiert werden konnten, sondern lediglich rund 320 (420 wurden rekrutiert), wird die Studie nach Aussagen von Vertretern der Steuerungsgruppe im bisherigen Design nicht fortgeführt. Die 25 Millionen Euro teure Renommier-Studie der deutschen Urologie hat damit das von vielen erwartete Ende gefunden. Der materielle und der Image-Schaden sind erheblich.


Derzeit versuchen die Studienleiter, das Scheitern der Prefere-Studie zu tarnen, indem man sich auf die ProtecT-Studie (NJM, September 2016, Freddy Hamdy et al.) beruft und sagt, dass die Prefere-Studie im Lichte dieser Studie nicht sinnvoll weiterbetrieben werden könne. Der Spiegel fasste das Ergebnis in seiner Online-Ausgabe am 16.09.2016 zusammen: "Beobachten ist ähnlich gut wie eine OP".  Da die Resultate der ProtecT-Studie allerdings zu "unreif" seien, so C.-H. Ohlmann (Urologische Universitätsklinik Homburg/Saar, Direktor: Prof. Michael Stöckle, Prefere-Studienleiter) am Samstag auf dem DGU-Kongress in Leipzig, soll die Prefere-Studie in dieser Spur fortfahren und wird stark verändert. Aus der vieramigen Prefere-Studie mit 7.600 Patienten als Rekrutierungsziel soll eine zweiarmige Studie (AS vs. OP) mit ca. 1.500 Patienten sowie anderen Studienzielen werden. Diese "neue" Studie hätte nurmehr wenig mit der ursprünglichen Prefere-Studie zu tun. Derzeit diskutiert die Studienleitung mit den Sponsoren über diesen Reset im neuen Gewand.

Das Scheitern der bisherigen Prefere-Studie war lange erwartet worden. Das komplizierte, vieramige Design, die hohe Rekrutierungszahl, mangelnde Kooperation zwischen klinischen Zentren und Niedergelassenen sowie - nicht zuletzt - die Eitelkeit der Studienleiter müssen als Hauptursachen des Scheiterns gesehen werden. Was jetzt kommt, ist der Versuch, zu retten, was noch zu retten ist.
(Autor: Franz-Günter Runkel/04.10.2016)


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