Donnerstag, 8. September 2016

Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung



Bayerns Urologen geben Startsignal für ASV-Teams

2017 wird der Gemeinsame Bundesausschuss das ASV-Kapitel Pros­tata­­karzinom schreiben. Das bayerische Aktionsbündnis Urologie sowie regionale Klinik­chefs haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die Strukturen und Teambesetzungen von zunächst vier regionalen ASV-Teams in Garmisch-Partenkirchen, Ingolstadt, Regensburg und Weiden festlegen will, um für Tag X gerüstet zu sein.
Das Aktionsbündnis Urologie (ABU) – Dachverband der bayerischen Urologen ist aus der Zusammenkunft aller urologischen Gruppierungen in Bayern hervorgegangen und repräsentiert mehr als 80 % der im Freistaat niedergelassenen Urologen. ABU-Vertreter und Chefärzte urologischer Kliniken sitzen regelmäßig an einem Tisch, um sich mit einem fertigen Konzept auf
die ASV in Bayern vorzubereiten. Der ­Gemeinsame Bundesausschuss wird nämlich 2017 die ASV-Richtlinien nach § 116b SGB V für das Prostatakarzinom festlegen. Im Rahmen einer ABU-Sitzung während der Tagung der bayerischen und österreichischen Urologen in Augsburg entstand kürzlich ein Positionspapier zur ASV.

„Uroonkologie gehört
in die Hände des Urologen“


Für Prof. Maximilian Burger, Direktor der Klinik für Urologie am Caritas-Krankenhaus St. Josef und Lehrstuhlinhaber der Universität Regensburg, vertrat in Augsburg eine klare Position: „Ich bin überzeugt davon, dass die Uroonkologie in urologische Hände gehört. Gelegentlich brauchen wir den Onkologen, gerade in zertifizierten Zentren. Trotzdem glaube ich, dass der überwiegende Anteil der medikamentösen Tumortherapie in der Uroonkologie in die Hand des Urologen gehört. Beim metastasierten Prostatakarzinom kann man davon ausgehen, dass der Onkologe uns Urologen sehr wohl braucht.“ Mit molekularen Parametern und Big-Data-Mining werden die Onkologen in Zukunft bedeutend mehr Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung haben.

Burger zitierte aus einer BDU-Mitteilung, derzufolge die Zahl der niedergelassenen Urologen zwischen 2014 und 2015 um 0,6 % zurückgegangen ist. Nach Angaben der KV Bayern seien trotzdem viele Regionen im Freistaat urologisch überversorgt. Andererseits zeige ein Blick auf die Klinikkarte, dass die Versorgung bestimmter Re­gionen sehr schwierig werde. Die medikamentöse Tumortherapie sei in Bayern viel zu selten und die Weiterbildung keineswegs überall gesichert, so Burger.

Dr. Dirk Potempa, BDU-Landesvorsitzender Bayern-Süd und ABU-Vor­stands­mitglied, schilderte den aktuellen Stand in Sachen ASV: „Für das Prostatakarzinom gibt es zwei Alternativen: Entweder machen wir Urologen es selbst oder die Hämatoonkologen machen es. Deshalb wollen wir dafür sorgen, dass die urologische Onkologie unseren Händen bleibt. Das primäre Ziel der ASV ist die engere Verzahnung der stationären Versorgung mit der vertragsärztlichen Medizin. Im Versorgungs-stärkungsgesetz wurden die schweren Verlaufsformen onko­logische Erkrankungen Ende 2015 herausgenommen. In der Konsequenz bedeutet es, dass alle Prostatakarzinome in die ASV eingebunden werden können.“ Alle Leistungen der Onkologievereinbarung, so Potempa, werden innerhalb der ASV in Form von parallelen Abrechnungsziffern vergütet. Ein Urologe, der an der ASV teilnimmt, kann onkologische Leis­tungen nicht gleichzeitig im Rahmen der Onkologievereinbarung abrechnen.
„Beim Prostatakarzinom ist es essenziell, dass wir Urologen proaktiv vorgehen. Wir müssen im Voraus eine eigene Struktur planen und die Teamleitung vorgeben. Wichtig ist, dass die Eintrittsschwelle für niedergelassene Urologen niedrig ist. Es ist wichtig, dass alle Urologen eingebunden werden. Anlässlich des Hauptausschusses habe ich mit dem BDU-Präsidenten Dr. Axel Schroeder gesprochen und betont, dass nicht nur die Urologen mit Zusatzbezeichnung medikamentöse Tumor­therapie an der ASV teilnehmen dürften“, so Potempa. ABU und Klinikurologen beginnen in den vier Regionen mit gut funktionierender intersektoraler Kooperation:


  • Prof. Herbert Leyh, Klinikum Garmisch-Partenkirchen, mit niedergelassenen Urologen,
  • Prof. Andreas Manseck, Klinikum Ingolstadt, mit seinem Urologen,
  • Prof. Maximilian Burger in Regensburg mit seinen Urologen,
  • Prof. Theodor Klotz in Weiden mit seinen Urologen

 „Alle Urologen müssen
ASV-Teammitglieder werden“


In der abschließenden Diskussion betonte Prof. Theodor Klotz, Klinikum Weiden, die finanziellen Auswirkungen der ASV: „Wenn die ASV-Teams fest­stehen, dann wird der KV-Topf der Übrigen um die ASV-Honorarmenge reduziert. Die anderen Kollegen, die nicht Mitglied der ASV sind, werden dieses Honorar verlieren. Über kurz oder lang werden ASV-Teams Prostatakarzinom entstehen, ob mit oder ohne Urologen.“ Urologen sollten laut Klotz aber auch dann Mitglieder im ASV-Team werden können, wenn sie nicht an der Onko­logievereinbarung teilnehmen. „Wir müssen unterstreichen, dass alle Urologen Mit­glieder in ASV-Teams werden müssen. Sonst wird es im Flächenland Bayern Regionen geben, die nicht versorgt sind“, warnte Klotz. Das aber sei gerade in Bayern ein starkes Argument.          (fgr)

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