Donnerstag, 8. September 2016

Interdisziplinäre Tagung der deutschen Andrologie




Die 28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie beginnt heute in Saarbrücken an der Universität des Saarlands. Der Autor sprach deshalb mit dem Tagungsleiter Prof. Harry Derouet und dem DGA-Präsidenten Prof. Hermann M. Behre über die Höhepunkte im Programm und – auch für Urologen – wichtige Themen und Referenten.

Prof. Derouet, können Sie uns ein ­we­nig Appetit machen auf die Jah­res­tagung der deutschen Andrologen?

Derouet: Ja, sehr gerne. Das wissenschaftliche Tagungsprogramm wird ein breites interdisziplinäres Fort- und Weiterbildungsprogramm aus der Andrologie mit den Themenschwerpunkten Erektile Dysfunktion, Fertilitätsstörungen, Endokrinologie, Sexualmedizin und Reproduktionsmedizin umfassen. Auch fachübergreifende Berührungspunkte z. B. mit der Onkologie sollen thematisiert werden. Es ist eine Tradition, neue Ergebnisse der Grundlagenforschung vorzustellen und ihren Bezug zur klinischen Medizin dem Auditorium näher zu bringen. Wir rechnen mit etwa 300 Teilnehmern in Saarbrücken.


Könnten Sie ein paar Highlights aus dem Programm verraten?
Derouet: Ein Höhepunkt wird sicher der Vortrag von Prof. Eberhard Nieschlag aus Münster zur Rolle der Androgene beim Doping im Spitzensport sein. Ein wichtiges Thema wird der Zusammenhang zwischen Prostatakarzinomen und dem Testosteronersatz sein, über den Prof. Fritz  Schröder referieren wird. Prof. Sabine Kliesch wird über die Fertilitätsprotektion sprechen und Prof. Kathleen Herkommer aus München über die Fertilität nach Beckenbodenoperation.

Bieten Sie auch Veranstaltungen zur Fortbildung an?
Derouet: Zum ersten Mal wird die DGA zwei CME-zertifizierte Seminare über Zusammenhänge zwischen Andrologie und Onkologie anbieten. Urologische Teilnehmer können auf unserer Jahrestagung auch Onkologie-CME-Punkte erwerben. Für die Weiterbildung bieten wir außerdem Spermiogramm-Kurse und vieles mehr an.

Gibt es auch Vorträge über strittige medizinische Themen?
Derouet: Ja, absolut. Matthias Trottmann wird eine kritische Bilanz der Stoßwellentherapie sowie der Katheterembolisation zur Behandlung der Erektilen Dysfunktion ziehen.


Was ist „Ihr“ Kongressthema?
Derouet: Prof. Carsten Ohlmann aus Homburg spricht über die Nebenwirkungen des Androgenentzugs auf Knochen und Herz. Mein persönliches Interesse sind osteoprotektive Therapien mit Bisphosphonaten oder Denusomab. Ich bin deshalb sehr auf dieses Thema gespannt!

Prof. Behre, Ewa Rejpert-De Meyts aus Kopenhagen zeichnet ein ­Zukunftsbild der Andrologie. Was erwartet uns?
Behre: Ich bin sehr gespannt, weil Frau Rejpert-De Meyts eine international renommierte Expertin auf dem Gebiet der Andrologie ist. Sie ist Herausgeberin internationaler Journale wie Andrology und Journal of Andrology.

Der DGA-Forschungspreis wird ­sicher das Highlight für junge Andro­logen sein. Wie wird der Jahrgang?
Behre: Die DGA vergibt einen mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis für junge Androloginnen und Andrologen. Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie hat etwa 600 Mitglieder, von denen 70-80 % Urologen sind.

Prof. Klaus M. Beier aus Berlin spricht über Sexualmedizin in der andrologischen Praxis – ein Highlight des Programms?
Behre: Ja, unbedingt. Er ist der Experte für Dysfunktionen der Libido, der Erektion und des Orgasmus. Das ist gerade für Urologen sehr interessant.

Gibt es weitere andrologische Themen?
Behre: Parallel bieten wir eine Veranstaltung zur operativen Andrologie für die Urologen an sowie eine Veranstaltung zur molekularen Andrologie für Grundlagenforscher.

Zum ersten Mal bieten Sie auf dem DGA-Kongress Late Breaking News an. Was erwartet die Teilnehmer?
Behre: Die konkreten Themen sind natürlich noch nicht bekannt, weil wir dieses Fenster der wissenschaftlichen Aktualität bis kurz vor dem Kongress offen halten wollen. Diese neue DGA-Veranstaltung soll die Teilnehmer mit frischen News versorgen, sodass sie bestens informiert nach Hause fahren können.            (Franz-Günter Runkel)

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