Krebsimmuntherapie beschäftigte amerikanischen Krebskongress
Die Krebsimmuntherapie war
zentrales Thema auf der 52. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO), die vom 3. bis 7. Juni
2016 in Chicago, USA, stattfand. Nach 30 Jahren
Stillstand gibt es wieder Therapiefortschritt für Patienten mit lokal
fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom. ASCO-Studiendaten zum
Anti-PD-L1-Antikörper Atezolizumab belegen ein erhebliches Ansprechen auf diese
Therapieform.
Im Rahmen einer ASCO-Pressekonferenz von Roche
stellte Prof. Kurt Miller, Direktor der Urologischen Klinik an der Charité
Berlin, die aktuellen urologischen ASCO-Daten zu Atezolizumab vor. Für
Patienten mit Blasenkrebs wurden seit gut 30 Jahren keine bedeutsamen
therapeutischen Fortschritte erzielt. Aktuelle Daten vom ASCO 2016 verweisen
nun nach Darstellung Millers erneut darauf, dass die Krebsimmuntherapie mit
Atezolizumab die Situation der betroffenen Patienten entscheidend verbessern
kann. So wird der Anti-PD-L1-Antikörper bei lokal fortgeschrittenem oder
metastasiertem Urothelkarzinom unter anderem in der offenen Phase-II-Studie
IMvigor 210 untersucht.
Ergebnisse zum First-Line-Einsatz von
Atezolizumab
Miller stellte Daten aus
der Kohorte 1 vor, in der Atezolizumab als First-Line-Therapie bei Patienten
verabreicht wird, die für eine Cisplatin-basierte Chemotherapie nicht in Frage
kommen. Das Ergebnis der Analyse: 24 % der Patienten erreichten unter
Atezolizumab ein objektives Ansprechen – und dies unabhängig vom Ausmaß der
PD-L1-Expression auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC) (Objektive
Ansprechrate; IC2/3: 28 %, IC1/2/3: 25 %; All: 24 %). Zum Zeitpunkt der Analyse
(medianes Follow-up: 14,4 Monate) war die mediane Ansprechdauer noch nicht
erreicht (1). „Diese Ergebnisse zum First-Line-Einsatz von Atezolizumab sind
ein wichtiges Signal“, betonte Miller. „Etwa die Hälfte unserer Patienten kommt
in dieser Therapiesituation für eine Platin-basierte Chemotherapie nicht in Frage
– hier besteht ein dringender Bedarf an weiteren Therapien“, erklärte Miller.
Objektives Ansprechen auch bei
Patienten nach Platin-basierter Chemotherapie
Der Berliner Klinik-Urologe stellte zudem Daten zum Einsatz
von Atezolizumab bei Blasenkrebs-Patienten vor, die gegen die fortgeschrittene
Erkrankung bereits eine Platin-basierte Chemotherapie erhalten hatten (Kohorte
2). Für diese Therapiesituation ist Atezolizumab seit Mai 2016 in den USA
zugelassen. Grundlage für die Zulassung war laut Miller eine Auswertung, die
gezeigt hatte, dass Atezolizumab bei 15 % der zum Teil massiv vorbehandelten
Patienten zu einem objektiven Ansprechen führte (2).
Eine aktualisierte Auswertung zeigt nun, dass diese Wirkung
bei 71 % der Patienten, die auf die Therapie angesprochen hatten, auch nach
einem medianen Follow-up von 17,5 Monaten anhielt. Auch in dieser
Studienkohorte war die mediane Ansprechdauer noch nicht erreicht (3).
„Bemerkenswert an diesen Daten zu Atezolizumab ist auch, dass mit längerem
Follow-up zusätzliche partielle und komplette Remissionen beobachtet wurden“,
so Miller.
Sowohl in der IMvigor
210- als auch der POPLAR-Studie erwies sich die Behandlung mit Atezolizumab als
sicher und gut verträglich (1–6). Im Vergleich zur Chemotherapie traten unter dem
Anti-PD-L1-Antikörper zudem deutlich weniger unerwünschte Ereignisse (Grad 3–4)
auf (5, 6). Aufgrund der guten Verträglichkeit bietet sich Atezolizumab als
Kombinationspartner für andere Substanzen an: Das Studienprogramm umfasst daher
auch Studien zur Kombination von Atezolizumab mit konventionellen
Chemotherapien, zielgerichteten Therapien sowie anderen Immuntherapeutika. Wie
Miller ergänzte, wurden erste positive Daten ebenfalls auf dem ASCO
präsentiert. So erwies sich Atezolizumab in einer Phase-Ib-Dosiseskalationsstudie
in Kombination mit der Prüfsubstanz MOXR0916, einem OX40-Agonisten, bei
fortgeschrittenen soliden Tumoren als sicher und gut verträglich (7).
Literatur
1. Balar AV et al., J Clin
Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract
LBA4500 (Oral Presentation, ASCO 2016).
2. Rosenberg JE et al., Lancet 2016 (online).
3. Dreicer R et al., J Clin
Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract 4515 (Oral Presentation, ASCO 2016).
4. Smith D. et al., J Clin
Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract
9028 (Oral Present., ASCO 2016).
5. Vansteenkiste J et al., Ann Oncol 2015; 26 (Suppl. 6):
Abstract LBA14.
6. Fehrenbacher L et al., Lancet 2016 (online).
7. Infante J. et al., J Clin
Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract 101 (Oral Presentation, ASCO 2016).

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