Freitag, 2. September 2016

ASCO-Jahrestagung 2016: BCC-Therapiefortschritt duch Atezolizumab

Krebsimmuntherapie beschäftigte amerikanischen Krebskongress

Die Krebsimmuntherapie war zentrales Thema auf der 52. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO), die vom 3. bis 7. Juni 2016 in Chicago, USA, stattfand. Nach 30 Jahren Stillstand gibt es wieder The­rapiefortschritt für Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom. ASCO-Studiendaten zum Anti-PD-L1-Antikörper Atezolizumab belegen ein erhebliches Ansprechen auf diese Therapieform.

Im Rahmen einer ASCO-Pressekonferenz von Roche stellte Prof. Kurt Miller, Direktor der Urologischen Klinik an der Charité Berlin, die aktuellen urologischen ASCO-Daten zu Atezolizumab vor. Für Patienten mit Blasenkrebs wurden seit gut 30 Jahren keine ­bedeutsamen therapeutischen Fortschritte erzielt. Aktuelle Daten vom ASCO 2016 verweisen nun nach Darstellung Millers erneut darauf, dass die Krebsimmuntherapie mit Atezolizu­mab die Situation der betroffenen Patienten entscheidend verbessern kann. So wird der Anti-PD-L1-Antikörper bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom unter anderem in der offenen Phase-II-Studie IMvigor 210 untersucht. 

Ergebnisse zum First-Line-Einsatz von Atezolizumab


Miller stellte Daten aus der Kohorte 1 vor, in der Atezolizumab als First-Line-Therapie bei Patienten verabreicht wird, die für eine Cisplatin-basierte Chemotherapie nicht in Frage kommen. Das Ergebnis der Analyse: 24 % der Patienten erreichten unter Atezolizumab ein objektives Ansprechen – und dies unabhängig vom Ausmaß der PD-L1-Expression auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (IC) (Objektive Ansprechrate; IC2/3: 28 %, IC1/2/3: 25 %; All: 24 %). Zum Zeitpunkt der Analyse (medianes Follow-up: 14,4 Monate) war die mediane Ansprechdauer noch nicht erreicht (1). „Diese Ergebnisse zum First-Line-Einsatz von Atezolizumab sind ein wichtiges Signal“, betonte Miller. „Etwa die Hälfte unserer Patienten kommt in dieser Therapie­situation für eine Platin-basierte Chemotherapie nicht in Frage – hier besteht ein dringender Bedarf an weiteren Therapien“, erklärte Miller.

Objektives Ansprechen auch bei Patienten nach Platin-basierter Chemotherapie

Der Berliner Klinik-Urologe stellte zudem Daten zum Einsatz von Atezolizumab bei Blasenkrebs-Patienten vor, die gegen die fortgeschrittene Erkrankung bereits eine Platin-basierte Chemotherapie erhalten hatten (Kohorte 2). Für diese Therapiesituation ist Atezolizumab seit Mai 2016 in den USA zugelassen. Grundlage für die Zulassung war laut Miller eine Auswertung, die gezeigt hatte, dass Atezolizumab bei 15 % der zum Teil massiv vorbehandelten Patienten zu einem objektiven Ansprechen führte (2).

Eine aktualisierte Auswertung zeigt nun, dass diese Wirkung bei 71 % der Patienten, die auf die Therapie angesprochen hatten, auch nach einem medianen Follow-up von 17,5 Monaten anhielt. Auch in dieser Studienkohorte war die mediane Ansprechdauer noch nicht erreicht (3). „Bemerkenswert an diesen Daten zu Atezolizumab ist auch, dass mit längerem Follow-up zusätzliche partielle und komplette Remis­sionen beobachtet wurden“, so Miller.

Sowohl in der IMvigor 210- als auch der POPLAR-Studie erwies sich die Behandlung mit Atezolizumab als sicher und gut verträglich (1–6). Im Vergleich zur Chemotherapie traten unter dem Anti-PD-L1-Antikörper zudem deutlich weniger unerwünschte Ereignisse (Grad 3–4) auf (5, 6). Aufgrund der guten Verträglichkeit bietet sich Atezolizumab als Kombinationspartner für andere Substanzen an: Das Studienprogramm umfasst daher auch Stu­dien zur Kombination von Atezolizumab mit konventionellen Chemotherapien, zielgerichteten Therapien sowie anderen Immuntherapeutika. Wie Miller ergänzte, wurden erste positive Daten ebenfalls auf dem ASCO präsentiert. So erwies sich Atezolizumab in einer Phase-Ib-Dosiseska­lationsstudie in Kombination mit der Prüfsubstanz MOXR0916, einem OX40-Agonisten, bei fortgeschrittenen soliden Tumoren als sicher und gut verträglich (7).

Literatur

1. Balar AV et al., J Clin Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract LBA4500 (Oral Presentation, ­ASCO 2016).

2. Rosenberg JE et al., Lancet 2016 (online).

3. Dreicer R et al., J Clin Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract 4515 (Oral Presentation, ASCO 2016).

4. Smith D. et al., J Clin Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract 9028 (Oral Present., ASCO 2016).

5. Vansteenkiste J et al., Ann Oncol 2015; 26 (Suppl. 6): Abstract LBA14.

6. Fehrenbacher L et al., Lancet 2016 (online).

7. Infante J. et al., J Clin Oncol 2016; 34 (Suppl.): Abstract 101 (Oral Presentation, ASCO 2016).

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